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Kreativität: den Alltag beflügeln

Im Dezember 2009 fand in Stuttgart zum ersten Mal in Deutschland das „Creativity World Forum 2009“ statt. Vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sucht die Wirtschaft bei den Kreativen nach frischen Impulsen. Auch die Bundesregierung startete eine Initiative mit dem Titel „Kultur- und Kreativwirtschaft. Dieser Bereich ist auch volkswirtschaftlich bedeutungsvoll. Rund 238.000 Unternehmen mit knapp einer Million Erwerbstätigen sind unterschiedlichen Branchen und Bereichen tätig. Dazu gehören sowohl selbständige Künstler, Publizisten und weitere Freiberufler oder Kleinstunternehmer wie Agenten oder Galeristen als auch kleine und mittlere Unternehmen wie Kunsthändler, Werbeagenturen, Verlage oder Musikproduzenten.
Die Quote der Selbständigen ist mit 28 Prozent außergewöhnlich hoch. Ziel der Initiative ist es, deren Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Auch die Erwerbschancen innovativer kleiner Kulturbetriebe sowie freischaffender Künstlerinnen und Künstler sollen verbessert werden.

Gegenüber Neuem offen sein
Darüber, was Kreativität ist, gibt es verschiedene Auffassungen. Joseph Beuys formulierte es einfach: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“ Damit wollte er jedoch nicht sagen, jeder Mensch solle beginnen zu malen oder zu komponieren. Beuys versuchte vielmehr mitzuteilen, jeder Mensch soll, wo immer er aktiv sein kann, auch kreativ sein: Er solle gegenüber Problemen offen sein, nicht schematisch denken und Neuem nicht abweisend gegenüberstehen. Der US-Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi (gesprochen Tschick Sent Mihaji) an der Claremont Graduate University in Kalifornien ist einer der bekanntesten und renommiertesten Forscher der neueren Kreativitätsforschung. Er hat sich lange damit beschäftigt, was kreative Menschen verbindet. Er fand heraus, dass kreative Persönlichkeiten eine große Neugier sowie der stetige Drang, Neues zu lernen und zu entdecken eint. Außerdem besitzen sie eine auffällig komplexe Persönlichkeit. Im deutschsprachigen Raum ist Csikszentmihalyi mit seinem Buch „Flow: das Geheimnis des Glücks“ bekannt geworden, auch wenn sich kaum einer traut, den schwierigen Namen auszusprechen. An der Universität in Chicago, wo er lange Zeit forschte, nannten ihn seine Kollegen ganz einfach „Tschik“. Als „Flow“ bezeichnet er das Hochgefühl, das jeder Mensch in sich selber fördern kann: neugierig sein, staunen, andere in Erstaunen versetzen, Freude daran entwickeln, seine Aufgaben wirklich gut zu erledigen.
Den „Flow“ hat „Tschik“ auch bei den Kreativen ausfindig gemacht. Er grenzt Kreativität ein: Wenn jemand neue Perspektiven entwickelt, damit zu tiefen Einsichten gelangt und Entdeckungen für sich macht, dann ist er „persönlich kreativ“. Es sind nicht allein die Erbanlagen oder Erfahrungen der frühen Kindheit, wie häufig angenommen wird. Dahinter steckt harte Arbeit. Das Bestimmende ist, so der Forscher, die anhaltende Entschlossenheit, der feste Wille, Erfolg zu haben, dem Leben einen Sinn zu geben und mit allen Mitteln zu versuchen, einige Geheimnisse des Universums zu lösen.

Komplexe Persönlichkeiten
Schöpferische Menschen vereinen widersprüchliche Extreme in sich und sind fähig – je nach Situation –, von einem Extrem ins andere zu wechseln. So verfügen viele Kreative beispielsweise über eine große psychische Energie, sind häufig ruhig und entspannt sowie oft weltklug und naiv zugleich. Weitere Attribute: diszipliniert und verantwortungsvoll, aber auch spielerisch und ungebunden. Sie entsprechen nicht der anerzogenen, rigiden Rollenverteilung, sondern sind einerseits sensibel, zeigen andererseits aber auch Durchsetzungsvermögen, sie gelten als rebellisch, berücksichtigen jedoch auch in gewisser Weise traditionelle Werte. Sie sind leidenschaftlich und objektiv zugleich. Solche widersprüchlichen Pole seien in jedem Menschen angelegt. Allerdings werde meist nur ein Pol ausgebildet und der andere verdrängt. Laut „Tschik“ kämpft der Mensch damit gegen sich selbst und versuche einem Bild zu entsprechen, das ihm nicht wirklich gerecht wird. Auch die Umgebung verhilft zu neuen Ideen. Zwar gebe es, so folgert Cszikzentmihalyi, keinen Beweis, dass eine schöne Umgebung die Kreativität fördere. In zahlreichen Kulturen finde sich jedoch der Glaube, dass die Landschaft die Gedanken und Gefühle tiefgreifend beeinflusse. Ähnliches gilt für körperliche Bewegung. Auch sie kann helfen, aus den gewohnten Denkmustern auszubrechen.


 

Abschluss
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